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Keine „guten“ Vorsätze für 2022!

3 Tipps die dich wirklich weiter bringen

Alles neu macht der Mai? Eigentlich müsste es heißen: Alles neu macht das neue Jahr – denn genau dann machen wir doch alle unseren »guten Vorsätze« von denen wir nicht »insgeheim« sondern eher »explizit« wissen, dass sie im Sande verlaufen und wir keinen Blumenstrauß damit gewinnen werden.
Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch der starke Drang endlich etwas zu verändern, das einen schon lange stört und das man trotzdem nicht loswird.
Zugleich bin ich mir sicher, dass kaum jemand daran glaubt, dass aus den guten Vorsätzen mehr wird als ein Strohfeuer: In den ersten Tagen oder Wochen lodern die Vorsätze noch stark und heiß in uns, doch dann kühlen sie zunehmend ab, bis das Jahresabo fürs Fitnessstudio nur noch als Feigenblatt aus der Kategorie »Ich könnte ja wenn ich wollte« taugt, oder das frische Gemüse schon wieder ganz durch knusprigen Bacon der Marke Herztod ersetzt wurde. Daher tendiere ich dazu all diese typischen »guten« Vorsätze für das neue Jahr als genau das zu bezeichnen, was sie eigentlich sind: schlechte Vorsätze!

So ein Vorgehen entbehrt nicht einer gewissen Komik und ist leider auch unglaublich unbefriedigend. Gerade Menschen, die einen starken inneren Zweifler haben, jene Stimme, die bei allen Herausforderungen hervorkommt und viele schlechte Gründe präsentiert, warum man dieses oder jenes nicht kann, gerade für diese Menschen sind schlechte Vorsätze pures Gift, denn sie sind Wasser auf die Mühlen des inneren Zweiflers! Aber auch wer ohne einen ausgewachsenen inneren Zweifler auskommt oder diesen bereits ausreichend gezähmt hat, sollte sich von den schlechten Vorsätzen fernhalten. Sie führen zu nichts und sind damit reine Energieverschwendung.

Darum lautet der erste Teil meines ersten Tipps auch ganz einfach: Mach keine Vorsätze!

Höre auf damit, Vorsätze für das neue Jahr zu haben! Es gibt keine »guten« Vorsätze, also kannst du es am besten gleich sein lassen.

Was aber dann? Was machen mit dem Wunsch, im neuen Jahr etwas zu verändern? Sind diese Wünsche und Impulse etwa nichts wert und bloße Zeitverschwendung? Das glaube ich nicht, vielmehr sehe ich darin sogar wichtige Impulse. Wir müssen uns allerdings die Zeit geben, aus diesen Impulsen konkrete Ziele abzuleiten und nicht bloß Vorsätze.

Ein Beispiel gefällig? »Im nächsten Jahr möchte ich gesünder essen.« Ist ein häufiger »guter« Vorsatz und an ihm kann man viele Dinge verdeutlichen, die relativ sicher in die Enttäuschung führen werden..
Zunächst einmal ist »möchte« schon eine schreckliche Abschwächung. Wir Menschen »möchten« ziemlich viel im Leben, aber uns anstrengen, schwitzen und kämpfen werden wir nur für die Dinge, die wir wirklich »wollen« und für die wir alles Notwendige tun.
Was du brauchst, sind also Ziele statt Vorsätze. Ein Ziel, dass du auf jeden Fall erreichen willst und wirst – nicht bloß etwas, dass du ganz schön fändest, falls es klappt.

Und bei Zielen ist bekannt, dass sie umso erfolgreicher erreicht werden, je konkreter wir sie formulieren. »Gesünder essen« ist aber leider unglaublich unkonkret. Wie sieht dieses »gesünder« genau aus? Was konkret änderst du an deinem Essen, damit es »gesünder« ist? Besser wäre daher eine Erklärung, die vielleicht wie folgt klingt:
»Im nächsten Jahr werde ich kein Fleisch essen.« Oder auch etwas wie »Im nächsten Jahr esse ich täglich einen Apfel.« Beides sind so konkret formulierte Ziele, dass sie wenig Spielraum für Interpretationen lassen und zugleich dafür sorgen, dass das Ergebnis leicht zu überprüfen ist. So kannst du sie auch erreichen! Natürlich neigen solche konkreten Ziele auch dazu, sehr kategorisch und wenig flexibel zu sein – daher solltest du dir wirklich sicher sein, dass du nur solche formulierst, die zur Kategorie »will ich auf jeden Fall« gehören und deren Erreichen für dich wirklich attraktiv ist.

Der zweite Teil meines ersten Tipps lautete also: formuliere klare und attraktive Ziele für das kommene Jahr!

1. Tipp

Vergiss die „guten Vorsätze“. Setze dir klare, attraktive Ziele für das kommende Jahr!


Nachdem du schlechte Vorsätze über Bord geworfen und stattdessen attraktive Ziele formuliert hast, bist du schon einen guten Schritt weiter. Der zweite Tipp beschäftigt sich nun mit der Quantität deiner Ziele und lässt sich auf einen wesentlichen Satz verkürzen: Weniger ist mehr!

Warum das so wichtig ist? Gute Ziele sollen ja nicht nur konkret, sondern auch attraktiv sein, wie wir gerade eben festgestellt haben. Bei vielen Menschen, mich eingeschlossen, beobachte ich immer wieder, dass die Entwicklung attraktiver Ziele nicht nur sehr motivierend ist, sondern auch einen echten »Flow« erzeugen kann: Ist man erst einmal auf positive Veränderung programmiert, dann sprudeln die Ideen und Impulse nur so hervor.

So ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass du am Ende nicht nur einen Blumenstrauß voller möglicher Ziele hast, sondern eine ganze Blumenwiese. Dann möchtest du vielleicht am liebsten gleich alles ändern, was dich schon immer gestört hat, dich »neu erfinden« oder »ein anderes Leben führen«. Die Sache hat allerdings einen entscheidenden Haken: Deine, meine, unser aller Kraft für Veränderung ist begrenzt. Da diese Grenze jedoch individuell sehr unterschiedlich ist, kann hier keine feste Empfehlung abgegeben werden wie: »nimm dir maximal drei Ziele vor«, oder Ähnliches. Stattdessen möchte ich dir einen ganz einfachen Tipp mit auf den Weg geben: Sortiere deine Ziele für das neue Jahr nach ihrer Wichtigkeit für dich und gehe eins nach dem anderen an.
Was ich damit genau meine? Angenommen deine Ziele lauten:

  • »Ich höre auf zu rauchen.«
  • »Ich lese ein Buch pro Monat.«
  • »Ich gehe jeden Tag 30 Minuten spazieren.«

Welches Ziel für dich wichtig ist, kannst nur du entscheiden.

Als Nichtraucher und Arzt springt mich das »Ich höre auf zu rauchen« förmlich an, aber vielleicht wäre das »Ich gehe jeden Tag 30 Minuten spazieren«-Ziel für dich viel wichtiger – das kannst nur du wissen.
Fange mit der Umsetzung des einen Ziels an, das für dich am wichtigsten ist und erst, wenn du es erreicht hast, dann fokussiere dich auf dein nächstes Ziel. Mit dieser Technik wirst du nicht zu den Menschen gehören, die ihre Ziele für das neue Jahr am schnellsten und radikalsten erreichen, aber sicher zu denen, die es am entspanntesten und erfolgreichsten erreichen.

An dieser Stelle kann ich förmlich ein paar wichtige Fragen von dir hören: »Was aber tun, wenn ich ein Ziel habe, das keinen klar definierten Endpunkt hat – z.B so wie alle Beispielziele oben? Wie oft muss ich denn täglich 30 Minuten spazieren gegangen sein, damit ich das Ziel als erreicht ansehen und zum Nächsten wechseln kann?«
Hier hat sich folgende Faustregel bewährt: So lange, bis du nicht mehr darüber nachdenken musst es zu tun und es dich keine extra Energie mehr kostet, weil es Routine geworden ist.
In der Literatur findet man dazu oft die »30 Tage Regel« und meiner Meinung nach funktioniert die auch ganz gut, wenn man ehrlich zu sich ist, ob nach 30 Tagen eine Routine daraus geworden ist oder nicht.

2. Tipp

Arbeite nur an einem Ziel zur gleichen Zeit. Erst wenn es Routine geworden ist, solltest du dir dein nächstes Ziel vornehmen.


Okay, nun hast du konkrete Ziele, statt schlechter Vorsätze und mit deiner Energie gut gehaushaltet. Was bleibt noch? Dein Mindset! Gönne dir Versuche, Irrtümer und Erfolge!

Dieser Tipp klingt einfacher, als er ist und ich möchte ihn gerne Stück für Stück erklären.
Das »gönne dir« ist ganz bewusst gewählt, denn für mich (und hoffentlich auch für dich) drückt es eine wohlwollende, wertschätzende und positive Grundhaltung aus.

Wenn du mit dieser Grundhaltung daran gehst, deine Ziele zu erreichen, dann wirst du am Ende immer erfolgreich sein!

Die meisten Menschen scheitern am Erreichen von Zielen, weil sie nach dem ersten oder zweiten »Misserfolg« aufgeben! Wer sich »Misserfolge« als Versuch und Irrtum – die ganz normalen Wegbegleiter aller Lernprozesse – »gönnt«, der findet am Ende immer auch den für sich richtigen Weg zum Ziel.

Bleibt noch der Punkt mit dem »Erfolg« am Ende des 3. Tipps. Warum wünsche ich dir, dass du dir den Erfolg »gönnst«? Damit du ihn wahrnimmst und wertschätzt und so deinen inneren Zweifler, über den wir weiter oben schon gesprochen haben, gut im Zaum hältst. Immer wieder beobachte ich Menschen die anfangs vor ihrem Ziel stehen, wie vor einem Berg und glauben, dass sie es nie bis zum Gipfel schaffen werden. Oben angekommen wertet die innere Stimme den Berg dann ruck zuck zu einem Hügel ab und die herausfordernde Kletterpartie zu einem schlichten Spaziergang. Mach das nicht! Feiere deinen Erfolg und bewahre ihn als solchen in deiner Erinnerung: so gibt er dir Kraft für die Zukunft.

3. Tipp

Gönne dir Versuche, Irrtümer und feiere deine Erfolge!


In diesem Sinne wünsche ich dir ein wundervolles neues Jahr und viel Freude und Erfolg beim Erreichen deiner Ziele!

Herzliche Grüße

Raphael

geschrieben von Raphael Krämer

Arzt und Therapeut, Coach und Supervisor und immer gerne dort, wo Menschen miteinander nach Lebensfreude streben. Mein Ziel ist es, gerade bei komplexen Sachverhalten, diese auf ihre wichtigen Kerninhalte zusammenzufassen und zu vermitteln.

01/01/2022

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